| Projekte |
|
|
|---|---|---|
|
|
thesaurA |
|
|
|
|
|
Das Projekt thesaurA wurde als einjähriges Forschungsvorhaben von August 1994 bis Juli 1995 durchgeführt. Subventionen wurden vom Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank, vom Frauenministerium und vom Bundesministerium für Unterricht und Kunst bereitgestellt. Die Drucklegung finanzierte das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, in dessen Reihe Materialien zur Förderung von Frauen in der Wissenschaft die thesaurA im Frühjahr 1996 als Band 5 erschien. Die Publikation ist mittlerweile vergriffen. Als Initiatorin und Trägerin für das freie Forschungsvorhaben fungierte frida .
Aus der vereinsinternen Diskussion über die herkömmliche
Beschlagwortung von frauenspezifischen Themen erwuchs die Idee, einen
einheitlichen frauenthemenorientierten Thesaurus mit dem Schwerpunkt
Österreich
zu erarbeiten. Ein Thesaurus ist eine Dokumentationssprache, die dazu dient,
Dokumente jeglicher Art in einem spezifischen Fachbereich inhaltlich zu
erschließen, zu speichern und wiederauffindbar zu machen.
Mit dieser Projektidee thesaurA - die Bezeichnung stellt die feministische Umformung des männlichen Begriffs "Thesaurus" dar und akzentuiert durch die Großschreibung der femininen Endung den österreichspezifischen Ansatz -, wurde ein Konzept aufgegriffen, das international bereits mehrfach umgesetzt worden war: Bereits in den 70er Jahren war der amerikanische Thesaurus "On Equal Terms" erschienen; der erste deutschsprachige Thesaurus wurde 1994 vom Kölner "FrauenMediaTurm" herausgegeben. Sprache und Sprachverhalten in einer Gesellschaft werden bekanntlich durch Machtstrukturen und Herrschaftsprozesse geprägt. Das heißt weiters, dass sprachliche Normsetzungen sprachpolitische Handlungen darstellen. Der Gebrauch der Sprache in unserer Gesellschaft ist an männlichen Wertvorstellungen orientiert und diskriminiert zugleich Frauen in mehrfacher Weise: er ist sexistisch. Da Schlagwortkataloge und Thesauri grundsätzlich auf Zusammenstellungen vorwiegend natürlichsprachiger Bezeichnungen von Begriffen beruhen, ist die konventionelle Beschlagwortung der herkömmlichen österreichischen Dokumentationseinrichtungen sexistisch. Doch ebenso in anderer Hinsicht ist ein anachronistischer und benützerInnenfeindlicher Zustand festzustellen. Innerhalb der letzten zwanzig Jahre hat sich im Zusammenhang mit der Neuen Frauenbewegung und unter Einfluss feministischer Kritik das gesellschaftliche Bewusstsein in bezug auf die Geschlechterverhältnisse zumindest in einen Reflexionsprozess begeben. Dies hat auch in Österreich in unterschiedlicher Intensität Reaktionen im Wissenschaftsbetrieb und in der Tagespolitik hervorgebracht. Der ständig anwachsenden Menge an frauenthemenorientierter Literatur steht jedoch ein Schlagwortinventar gegenüber, das nicht dazu geeignet ist, feministisches/frauenspezifisches Dokumentationsmaterial erschöpfend auszuwerten. Diesem Defizit soll die thesaurA begegnen, indem zur Umsetzung von drei soziolinguistischen Prinzipien in der Beschlagwortung Anregungen und Hilfestellungen angeboten werden. Die sprachliche Sichtbarmachung von Frauen soll forciert werden, indem die universalistisch argumentierte männliche Sprachform beseitigt wird. Sofern der Inhalt eines Dokumentes sich also auf Frauen und Männer bezieht, muß eine Beschlagwortung durchgeführt werden, die beide Geschlechter sichtbar macht. Wobei hier eine Geschlechtsspezifikation nicht nur in bezug auf Personenbezeichnungen wie "Asylantinnen" bzw. "Asylanten" oder "weibliche Jugendliche" bzw. "männliche Jugendliche" gemeint ist, sondern ebenso für eine Femininmovierung in Komposita wie "Arbeiterinnenbewegung" oder "Christinnentum" gegenüber "Arbeiterbewegung" und "Christentum" plädiert wird. Weiters geht es um die Herstellung einer "geschlechtlichen" Symmetrie , indem Themen geschlechtsspezifisch beschlagwortet werden sollen. Demnach sind frauenorientierte Gesichtspunkte gleich zu gewichten wie männerorientierte. Frauenthemen dürfen also weder ignoriert werden, noch ghettoisiert, d.h. von allgemeiner und männlich interpretierter Thematik abgesondert behandelt werden. Ausnahmen sind hier lediglich explizit frauenpolitisch gemeinte Hervorhebungen. Drittens zielt die thesaurA auf eine Ergänzung fehlender Schlagwörter ab, da großer Nachholbedarf besteht, den BeschlagworterInnen ein geeignetes Instrumentarium zur Verfügung zu stellen, mit dem frauenspezifische Dokumente inhaltlich zugeordnet und erschlossen werden können. Weitere Besonderheiten der Thesaurus-Erstellung unter feministischer Perspektive betreffen die zugrundegelegte Sachgruppensystematik, die von Hauptthemen der frauenspezifischen Dokumentation ausgeht, die Auswahl der Deskriptoren (=Vorzugsbenennungen), die nach Kriterien feministischer Sprachkritik vorgenommen wurde, die Verwendung des Plurals für Personenbezeichnungen, um Stereotypien zu vermeiden, und schließlich die präferierte Verwendung von Assoziationsrelationen (=Verwandte Begriffe), die einen kritischen Ansatz gegenüber der bedeutungswertenden Hierarchisierung von Begriffen darstellt. Damit wird die Kritik an gesellschaftlichen Machtstrukturen und Machtverhältnissen auf sprachlicher bzw. sprachpolitischer Ebene zum Ausdruck gebracht. Der Eindeutigkeit und Gerichtetheit eines hierarchischen Systems steht die Differenziertheit und der Pluralismus feministischer Kritik gegenüber. Der erste österreichische Frauenthesaurus als Nachschlagewerk zur Orientierung im Fachgebiet der Frauen- und Geschlechterthematik umfasst 467 Seiten und besteht aus einem Manual, dem Hauptteil mit rund 3000 Termini, einem Permutationsregister und einem Index der Schlagwörter nach der Sachgruppensystematik; als zusätzliche dokumentarische Hilfsmittel sind außerdem vier Sonderlisten - Berufsgruppen, Formschlagwörter, Geographika und Zeitschlagwörter - beigefügt. Zu den Zielgruppen der thesaurA zählen die InhaltserschließerInnen sowohl in institutionalisierten Dokumentationseinrichtungen und Bibliotheken als auch in kleineren spezialisierten Frauenbibliotheken, -archiven und -dokumentationszentren. Doch sollte das Vokabular ebenso den Benützerinnen dieser Einrichtungen zur Verfügung stehen, um bei der effektiven Suche nach Informationen behilflich zu sein.
Ein kurzes Resümee zu den Eigenschaften der thesaurA :
|
| Nicht-Deskriptor | Abtreibung | |
| Benutztes Synonym | BS | Schwangerschaftsabbruch |
| Deskriptor | Schwangerschaftsabbruch | |
| Benutzt für | BF | Abtreibung |
| Scope note | SN | |
| Definition | DEF | |
| Sachgruppe | SG | Frauenbewegungen |
| Körper und Gesellschaft | ||
| Körper und Psyche | ||
| Staat/Politik | ||
| Oberbegriff | OB | Geburtenregelung |
| Unterbegriff | UB | Abtreibungsdebatte |
| Abtreibungsmethode | ||
| Abtreibungsverbot | ||
| Fristenregelung | ||
| Indikationenregelung | ||
| Zwangsabtreibung | ||
| Verwandter Begriff | VB | Abortus |
| Aktion Leben | ||
| Engelmacherinnen | ||
| Fötus | ||
| Fortpflanzung | ||
| Frauenklinik | ||
| Gebärhaus | ||
| Geschlechtsselektion | ||
| Gynäkologie | ||
| Kirchenrecht | ||
| Sexualpolitik | ||
| Strafrechtsreform | ||
| Ungewollte Schwangerschaft |
Seitenanfang
Internationale
Frauenthesauri
in chronologischer
Reihenfolge
Home
/
über uns
/
NetzWerk
/
Projekte
/
Aktuelles
/
Materialien
/
Sitemap
Marshall
, Joan K.: On Equal Terms. A Thesaurus For Nonsexist Indexing
And Cataloging. New York
Capek
, Mary Ellen: A Women´s Thesaurus. An Index Used To Describe And
Locate Information By And About Women. New York
Montserrat Sebastiá i Salat (Hrsg)
: Thesaurus d'historia social de la
donna. Barcelona
Thesaurus on Women in Development.
Jakarta
Thesaurus on Women's Education.
Japan
Rabissi,
Adriana Perotta /
Perucci
, Maria Beatrice: Linguaggiodonna.
Mailand
Canadian Women's Indexing Group (Hrsg.):
Canadian Feminist Thesaurus /
Thesaurus féministe du Canada. Toronto
Instituto de la Mujer, Centro de Documentatión:
Tesauro "Mujer".
Madrid
Drenthe,
Gusta /
van der Sommen,
Maria: Vrouwenthesaurus. Lijst van
gecontroleerde termen voor het ontsluiten van informatie over de positie
van vrouwen en vrouwenstudies. Amsterdam
Schwarzer,
Alice /
Scheu,
Ursula (Hrsg.): Feministischer Thesaurus.
Köln
Klösch-Melliwa,
Helga /
Zach,
Angelika: thesaurA. Österreichischer
Frauenthesaurus. Hrsg.: frida - Verein zur Förderung und Vernetzung
frauenspezifischer Informations- und Dokumentationseinrichtungen in
Österreich. Wien
International Information Centre and Archives for the Women's Movement (IIAV):
European Women's Thesaurus. Amsterdam
Copyright © 1997-2009
Verein
frida
Verein zur Förderung und Vernetzung frauenspezifischer Informations- und
Dokumentationseinrichtungen in Österreich
c/o IWK-Dokumentationsstelle Frauenforschung, Berggasse 17, A-1090 Wien, E-Mail:
iwk.korotin@aon.at
Web-Betreuung:
binder.e at gmail.com